Der lang ersehnte dritte Treffpunkt International in Schaffhausen

Das letzte interkulturelle Treffen der ausländischen Vereine in Schaffhausen fand weit zurück im Jahre 1982 statt. Der kroatische Kultur- und Tanzverein „Fala“, welcher 1978 gegründet wurde, trat schon damals als Vertreter der kroatischen Bevölkerung auf.

Inspiriert durch den internationalen Kulturabend, welchen „Fala“ im Jahre 2012 organisiert hatte, fand dieses Mal der Treffpunkt International im Mosergarten in Schaffhausen statt. Dies wurde an einer Sitzung beschlossen, nachdem die Präsidentin des kroatischen Vereins „Fala“ diesen Vorschlag in die Runde geworfen hatte. An der Sitzung nahmen die Vertreter und Vertreterinnen der Integrationsfachstelle Integres und diejenigen der verschiedenen Ausländervereine in Schaffhausen teil.

Bereits am Anfang des Anlasses wurde das Publikum von den beiden Moderatorinnen positiv überrascht, indem sie die verschiedenen Kulturen in ihrer Sprache begrüssten. „Wir alle hier tragen die Schweiz, und besonders Schaffhausen, als unsere neue Heimat in unseren Herzen, wobei wir aber auch unsere Wurzeln nicht vergessen“, waren die einleitenden Worte von Katarina Dujmović, der Vizepräsidentin des kroatischen Vereins „Fala“. Gemeinsam mit Cynthia Pena, der Vertreterin des spanischen Vereins Centro Andaluz, moderierte sie den internationalen Anlass.

Katarina Dujmović  (Fala), Kurt Zubler (Integres) und Cynthia Pena (Centro Andaluz).

„Die Organisation dieses Ereignisses bietet die Möglichkeit Vorurteile, welche wir oft in uns tragen, abzubauen. Wenn sich Menschen mit unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, Religionen und kulinarischen Gewohnheiten treffen, merken sie, dass sie sich doch ziemlich ähnlich sind. So kommt es zum gegenseitigen Respekt und Verständnis, was unser Zusammenleben verschönert und es bunter und sicherer macht“ waren die Worte der beiden.

Bushra Buff, Katarina Dujmović und Ruža Studer – Mitglieder des Organisationskomitees.

Nach dieser herzlichen Begrüssung gesellte sich auch Kurt Zubler, der Leiter der Integrationsfachstelle Integres, zu ihnen und betonte, dass sich die Vertreter der Integres nur im Hintergrund hielten und Vieles eigentlich von den Vereinen selbst geleistet wurde.

Nebst dem kulinarischen Angebot an den Ständen der Albaner, Kroaten, Italiener, Tamilen, Serben, Spanier, Türken, Latino-Amerikaner, Frauen aus Erithrea und Quartierverein Herblingen wurde den Besuchern ein vielfältiges kulturelles Programm auf der Bühne geboten. Der tamilische Kulturverein Illam, welcher bereits seit zehn Jahren in Schaffhausen existiert, hatte um 14 Uhr die Ehre das Programm durch die Tanzdarbietung der Kinder zu eröffnen. Die graziösen kleinen Tänzerinnen strahlten in ihren rot schimmernden Gewändern und bezauberten so das Publikum, welches sie mit einem tobenden Applaus verabschiedete.

Auftritt des serbischen Kulturvereines Kolo aus Neuhausen.

Daraufhin folgte der Auftritt der kleinen Tänzer und Tänzerinnen des serbischen Folkloreensembles Kolo aus Neuhausen. Dieser Verein wurde im Jahre 1982 gegründet und zählt seither über 500 Kinder und Jugendliche, welche im Verein getanzt haben. In ihren traditionellen Trachten erfreuten sie die Anwesenden, welche die schnellen Schritte dieser kleinen Künstler hoch konzentriert beobachteten.

«Lasciatemi cantare, con la chitarra in mano… », was übersetzt heissen soll: Lasst mich singen, mit der Gitarre in meiner Hand- mit diesem Evergreen begann das Duett Pino und Silvio dessen Auftritt. Während dem Zuhören summten viele Gäste mit den beiden Sängern mit, während sie noch andere bekannte italienische Titel vorführten.

Türkische und arabische Tänze wurden von Mädchen dargeboten, welche sich erst seit drei Jahren im Quartierverein Herblingen treffen und dort orientalische Tänze einüben – sie nennen sich die Oriental Girls. Besonders spannend war es zu beobachten, wie Mädchen aus verschiedenen Nationen regelmässig zusammenkommen und zu einer Gruppe verschmelzen, damit ihr Auftritt jedes Mal das Publikum verzaubert.

Nach einer kürzeren Pause begaben sich die Vertreter des Vereins BiFam auf die Bühne. Der Verein, in welchen vor allem die Vertreterinnen der latino-amerikanischen Kultur viel Zeit investieren, wurde im Jahre 2008 gegründet. Der erste Tanz, welcher dem Publikum vorgeführt wurde, stammte aus Kolumbien.

Ankica Gomerčić und die jungen Fala-Tänzer.

Mit einem stolzen Lächeln kündigte Katarina Dujmović die kleinen Tänzerinnen und Tänzer der „Fala“ an. Mit Hilfe von Ivan Tominac und Anita Pušić übte Ankica Gomerčić, die Leiterin der Kleinen, mit den Kindern neue Tänze ein. Diese, aus kleinen Künstlern bestehende Gruppe, übt nun bereits seit drei Jahren regelmässig und zeigte auch dieses Mal den Anwesenden stolz kroatische Kindertänze.

Nachdem die Mädchen mit den orientalischen Tänzen zum zweiten Mal auf der Bühne aufgetreten waren, wurde der Tanz aus Peru namens Valiccha von einem Paar mit den dazu entsprechenden Trachten vorgeführt.

Später zogen die erwachsenen Tänzerinnen und Tänzer des serbischen Folkloreensembles Kolo die Aufmerksamkeit der Zuschauer singend und tanzend auf sich. Dass sie auf ihr Können bereits bewiesen haben, zeigt die Auszeichnung zum nationalen Europäischen Meister des Folkstanzes. So wurde auch dieser Auftritt mit einem mächtigen Applaus belohnt.

Gefolgt von den Augen der kleinen Tänzerinnen und Tänzer, welche sich auf die Bühne platziert hatten, um eine bessere Aussicht zu haben, begaben sich dann die italienischen Sänger Pino und Silvio zum zweiten Male auf die Bühne.

Dass selbst die spanischen Mädchen Eleganz im Blut haben, bewies die Gruppe „Las Niñas“, welche von Tänzerinnen zwischen 5 und 11 Jahren gebildet wird. Die Temperamenz des Mediterrans wurde so durch ihren Tanz für einen kurzen Augenblick auch in den Mosergarten gebracht, und verschlag so manchem Zuschauer die Sprache.

Während viele Akteure die nachfolgende Pause nutzten, um sich für ihre Auftritte vorzubereiten, hörte man vom kroatischen Stand bereits die ersten Töne der kroatischen Instrumentalmusik. Die Musiker bereiteten sich langsam auf den Auftritt mit den Tänzern vor, wobei sie vielerlei neugierige Gäste zum Stand lockten.

Nach dieser letzen Pause war der Soloauftritt von Zülfikür Yilmaz an der Reihe. Begleitet von seinem traditionellen Instrument, spielte er einige kurdische Lieder. Nachdem dies vom Publikum vernommen wurde, meldete sich ein ebenfalls kurdisches Paar, welches sich bereit erklärte, spontan einen Auftritt in Szene zu setzen, um die Musik durch Gesang noch besser darzustellen. Dies wurde von Organisator bereitwillig angenommen, was sich später auch als ein Erfolg erwies. Kemal Kahraman spielte dabei das Instrument, während Sultan Erden durch melodische, hohe Töne das Publikum problemlos in ihren Bann zog, obwohl wahrscheinlich nur wenige verstanden, worüber gesungen wurde.

Später durften die Zuschauer ein weiteres Mal das Duo Pino und Silvio erleben, welche von den tamilischen Tänzerinnen gefolgt wurden. Zwei attraktive Frauen des Centro Andaluz, namentlich Cynthia Pena und Samira Perez, demonstrierten danach durch energische und graziöse Tanzschritte stolz die Kunst des Flamenco. Diese jungen Damen üben sich in dieser Tanzrichtung bereits seit ihrer Kindheit. Cynthia Pena stieg mit drei Jahren ein und kann sich ein Leben ohne den Flamenco nicht mehr vorstellen.

Auftitt des albanischen Vereines Shota aus Baden.

Die einzigen Akteure, welche am kulturellen Programm teilgenommen haben und nicht selbst im Kanton tätig sind, waren die Tänzerinnen und Tänzer der Albanischen Tanzschule Shota aus Baden. Aufgrund von Platzmangel auf der Bühne, beschlossen sie kurzerhand ihren Auftritt auf dem Kiesplatz vor der Bühne auszutragen. Ihr temperamentvoller Tanz verschlug dem Publikum schon zu Beginn die Sprache. „Als würden ihre Füsse den Boden überhaupt nicht berühren“, waren die Kommentare vieler Zuschauer. Weil sich viele Gäste nach vorne drängten, um den Auftritt mitverfolgen zu können, wurde den hinteren Reihen die Sicht versperrt. Deshalb wurden die Akteure gebeten ihren zweiten Tanz auf der Bühne vorzustellen, obschon somit einige Tänzerinnen und Tänzer auf den Tanz verzichten mussten, damit ihre Kolleginnen und Kollegen genügend Platz auf der Bühne hatten.

Die vorletzen Teilnehmer des kulturellen Programmes waren die Mitglieder des kroatischen Tanzvereins „Fala“. Zu Beginn begaben sich die Instrumentalspieler auf die Bühne, und wurden bereits nach dem Spielen ihres ersten Liedes vom Publikum durch einen grossen Applaus belohnt. Danach gesellten sich die Tänzerinnen und Tänzer zu ihnen, welche die Tänze „Konavle“ und „Pokuplje“ aufführten. Eine besondere Augenweide waren dabei die atemberaubenden Trachten, welche der Koreograf Ivan Tominac zuvor aus der Heimat ausgeliehen hatte. Wie auch oft, luden die „Falaner“ das Publikum nach ihrem Auftritt zu einem gemeinsamen Tanz ein, worauf sich viele Gäste ohne gross zu zögern einliessen. Die lachenden Gesichter der Tanzenden bewiesen wieder ein Mal, dass Gesang und Tanz keine Grenzen kennt.

Auftritt des kroatischen Vereines Fala aus Schaffhausen.

Nach diesem Auftritt bedankten sich die Moderatorinnen bei allen Sponsoren und Mitgliedern des Organisationskomitees und luden ihre Kollegen zu einem gemeinsamen Foto ein. Zum Schluss wurde die Bühne der Steelband Quilombo übergeben, welche mit besonders speziellen Instrumenten arbeitet. Dadurch, dass ihre Instrumente eigentlich ehemalige Ölfässer waren, konnte die Band die Aufmerksamkeit des Publikums besonders schnell auf sich lenken. Die Inspiration auf solchen Instrumenten zu spielen, reicht weit in das Jahr 1930 zurück. Damals verboten die Englischen Kolonialherren in Trinidad der einheimischen Bevölkerung auf afrikanischen Trommeln zu spielen, weshalb sie sich eigene Instrumente bauten. Währen der 70-er Jahre kommt der Trend dann langsam auch in Europa auf, wobei es heute in Schaffhausen schon drei Bands gibt, welche solch einen Musikstil pflegen.

Viele bekannte Melodien verführten die Zuhörer dazu, auch selbst mit zu summen und auch hier und dort ein Tänzchen zu wagen. So verging die Zeit wie im Flug und das Ende des Abends näherte sich.
Die Instrumentalspieler des kroatischen Kultur- und Tanzvereins gaben sich aber dennoch nicht so leicht geschlagen, und spielten weiterhin für ihr kleines Publikum bekannte kroatische Melodien, welche sie mit Gesang begleiteten. Viele meinten darauf hin, dass sie sich dadurch so fühlten, als ob sie irgendwo in Kroatien in den Ferien, und nicht hier im Mosergarten wären.

Dies war bestimmt ein Ereignis, welches die Einwohner von Schaffhausen tief beeindruckt hat. Hoffen wir darauf, dass sich auch die zukünftigen Generationen der Zusammenarbeit mit anderen Vereinen in Schaffhausen widmen werden, sodass solche Anlässe nie in Vergessenheit geraten und stets für alle besonders wertvoll bleiben.

Text: Ruža Studer
Übersetzung: Katarina Dujmović
Foto: Ruža Studer, Ivan Ivić

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